Was ist los in deutschen Hotelbetten?

Von Stefanie von Wietersheim

Was haben Sie bei Ihrer letzten Reise im Hotelzimmer oder Hotelbett vergessen? Gürtel mit Monogramm, Lieblingslippenstift oder den heiligen Kuschelbären des Kindes, dessen Abwesenheit natürlich Brüllattacken auslöst? Und haben Sie überhaupt gut geschlafen, in Ihrem Design-Hotel in Berlin, auf der Geschäftsreise im Wolkenkratzer von Bombay oder im Spa-Retreat auf Sylt? Haben Sie sich grauenvoll hin- und her gewälzt? Oder hätten Sie das Hotelbett gleich am liebsten mitgenommen?

Die Deutschen kennen sich mit fremden Betten aus, denn sie sind immer noch unter den Reiseweltmeistern. Im Jahr 2015 unternahmen 54 Prozent aller Deutschen laut dem Internet-Portal Statista eine Reise von wenigstens fünf Tagen. Deutschland lag dabei als Ziel an der Spitze: jeder Dritte reiste im eigenen Land, gefolgt von Spanien, Italien und der Türkei. In Deutschland allein wurden im Jahr 2015 rund 436 Millionen Übernachtungen gezählt. Aber sind die Deutschen auch Schlafweltmeister in Hotelbetten?

Deutsche Hoteliers bemühen sich immer mehr um echten Schlafkomfort, investieren in Matratzen, unterschiedlich weiche Kissen und schöne Plaids. Denn die Konkurrenz in der Branche ist hart - und was ist wichtiger als guter Schlaf? Ist doch das Hotelzimmer auf Reisen unser verlängertes Zuhause, das Hotelbett die Oase, in der wir ankommen nach langen Reisetagen in der Bahn, wo wir uns ausruhen nach stundenlangen Besichtigungen oder nicht enden wollenden Konferenzen in stickigen Räumen.

(Doch haben Sie bei der Ankunft in einem Hotel schon einmal genau darüber nachgedacht, in was für einem Bett Sie eigentlich schlafen werden? Schon mal den Unterbau eines Bettes untersucht, das Laken gelupft und geschaut, ob Sie auf Latexmatratzen oder Boxspring liegen, anti-allergisch bezogen, weich, hart, hoch oder tief??)

„Das erste, was ein Hotel verkauft, ist guter Schlaf“, ist Hoteldirektorin Christiane Lösch vom 4-Sterne-Hotel „Kloster Hornbach“ in der Pfalz überzeugt. Sie investierte bei Eröffnung ihres Hauses schon als Jungunternehmerin in Betten aus dem Hause Schramm. „Man bekommt bei normalen Hotelausstattern Matratzen schon ab 400 Euro, aber wir haben bewusst eine ganz andere Liga gewählt. Gerade da wir ein Landhotel sind, müssen die Gäste bei uns besonderen Komfort bekommen. Das lohnt sich.“ (Dass Hoteliers sich für das gute Schlafen interessieren, zeigt sich ihrer Ansicht auch auf der zunehmenden Zahl von hochwertigen Bettenherstellern auf Hotelmessen).

Denn abgesehen von schicken Kopfteilen, knisternder weißer Bettwäsche, eleganten Lampen – vor allem die Qualität der Matratzen entscheidet über erholsamen Schlaf. Wie oft Matratzen in Hotels gewechselt werden, dafür gibt es keine gesetzlichen Richtlinien. Es liegt im Ermessen des Hoteliers zu bestimmen, wann eine neue her muss. „Wir sorgen immer für einen 1a-Zustand der Betten, und sobald eine Matratze nicht mehr anständig gereinigt werden kann oder sogar Körperflüssigkeiten darauf sind, wechseln wir sie sofort aus. Meist trägt die Haftpflichtversicherung der Gäste diese Schäden, wenn sie durch sie verursacht wurden“, sagt Hoteldirektorin Anja Scharff vom Hotel „Mühle am Schlossberg“ in der Nähe von Kaiserslautern.

Ihr stilvolles Haus arbeitet seit dem Jahr 2001 mit der Bettenmanufaktur Schramm zusammen, stattete damals alle Zimmer mit den speziell für Hotels konzipierte Bettenlinie Savoy aus. Seit drei Jahren sind die Zimmer mit einem Dutzend unterschiedlicher „Privat-Haushalt“ Betten von Schramm möbliert. Viele Gäste kommen, um ein oder zwei Nächte in unterschiedlichen Bett-Modellen Probenächte zu verbringen. „Eine ganze Nacht ein Bett auszuprobieren ist doch noch etwas anders, als ein paar Minuten in einem Bettengeschäft zu liegen“, sagt die Hotelbesitzerin. Auch Christiane Lösch im Pfälzer „Kloster Hornbach“ investiert regelmäßig in neue Schramm-Matratzen für die 48 Zimmer, lässt sie regelmäßig saugen und wenden, dazu grundsätzlich Moltonbezüge aufziehen.

Sie hat sich bewusst gegen mit Kunststoff beschichtete Milbenüberzüge entschieden, obwohl diese bei der offiziellen Hotelbewertung mehr Punkte einbringen. „Ich finde die schlechte Durchlüftung auf diesen Überzügen einfach nicht angenehm, das Schlafen muss atmungsaktiv sein“, ist sie überzeugt. Auch sie macht Gäste bei starker Verschmutzung der Matratzen darauf aufmerksam, dass deren Haftpflichtversicherung für eine neue Matratze zahlt. „Manche sind so ehrlich und melden Schäden selber, aber einige Gäste denken, dass wir das nicht merken. Aber wir merken das, weil Betten für uns so entscheidend wichtig sind.“

Im besten Fall wird das Hotelzimmer zu einer großartigen Dependance unseres Lebens, in das wir immer wieder kommen und das uns ein schönes Zuhause auf Zeit ist. Manche fühlen sich im Hotel so zuhause, dass sie bei der Abreise ihren mitreisenden Hausstand vergessen. „Ich finde manchmal ganze Anzüge versteckt im Bett, viele Kuscheltiere, Nachtwäsche - ich habe sogar einmal ein komplettes Hochzeitskleid gefunden“, sagt Anja Scharff von der „Mühle am Schlossberg“. „In den Schränken, unter und zwischen den Matratzen, unter den Betten, überall! Wir heben alle vergessenen Dinge auf, protokollieren Tag und Ort des Fundes und schicken die Stücke selbstverständlich gratis nach.“ Dieser Nachschick-Service ist in guten Hotels Usus. Nur ein ungeschriebenes Gesetz gilt: niemals selber den Gast anrufen und auf das Vergessen aufmerksam machen! Unbedingt warten, bis er sich meldet. Denn zu groß ist die Gefahr von ungewollten Indiskretionen, sprich eventuellen Eifersuchtsdramen. In Hotels stehen nun einmal Betten, die auch außerplanmäßig kreativ genutzt werden können.

Hoteliers müssen diskret sein. Hört man sich bei ihnen um, können alle von erzürnten Ehefrauen oder ausflippenden Ehemännern erzählen, die die Rezeptionen deutscher Hotels bei zu frühen Fundmeldungen mit hysterischen Anrufen bombardieren. Die dramatischsten Fälle, besonders in der Luxusbranche,  sprechen sich in der Szene in Windeseile herum. „Auch wir haben leider einmal eine Ehekrise ausgelöst, als wir ungefragt etwas nachgeschickt haben, die Ehefrau das Paket aufmachte und dann feststellte, dass ihr Mann mit einer ihm nicht angetrauten Dame bei uns gewesen war. Nun rufen wir nur noch ungefragt Stammgäste an, die etwas vergessen haben und deren Begleitung wir genau kennen. Die anderen müssen bei uns nachfragen“, berichtet Christiane Lösch von Kloster Hornbach. Ihr ungewöhnlichster Fund - neben Aufladekabeln von Handys, Nachthemden, Wäsche und Shampoos  - war ein kostbarer Brillantring von zwei Karat, den das Zimmerpersonal entdeckte, bevor die Besitzerin sich des Verlustes bewusst war. „Die Dame hat sich so gefreut, als wir ihr den Ring geben konnten und kommt bis heute gerne zu uns“, sagt Lösch.

Auch für die Bad Driburger Hoteleigentümerin Annabelle Gräfin von Oeynhausen-Sierstorpff ist das kostenlose Nachschicken von vergessenen Gegenständen in ihrem exklusiven Haus „Gräflicher Park Grand Resort“ Alltag. Meist schickt ihr Team Wäsche oder Aufladekabel nach, aber manchmal passieren Dinge, die selbst erfahrenes Personal mehr als schmunzeln lassen: „Einmal rief ein vollkommen aufgelöster Gast an und sagte, er habe ein Massagegerät in seinem Zimmer vergessen, ob man es nachschicken könne,“ erzählt Gräfin Oeynhausen. „Wir fragten uns, was denn dieses ominöse Massagegerät sein könne, das ganze Personal stellte das Zimmer komplett auf den Kopf, suchte und suchte, schließlich fanden sie „ein erotisches Frauenspielzeug“, wie unsere Hausdame sagte. Wir haben dann den Vibrator natürlich gerne nachgeschickt. Dem Herrn war es wahnsinnig peinlich. Und wir hatten eine Anekdote mehr!“.

Eine andere im Driburger Hotel residierende Dame, die ihren Schminkkoffer vergessen hatte, war so versessen auf dessen Inhalt, dass sie sich nicht auf den kostenlosen Nachschick-Service einließ, sondern gab Anweisung, den Schminkkoffer sofort auf eigene Kosten mit dem Taxi nachkommen zu lassen. Kosten 300 Euro, viel teurer als die Hotelübernachtung. „Wir haben uns schon gefragt, was da Dringendes drin war“, lacht Gräfin Oeynhausen. Sie selbst vergisst übrigens regelmäßig ihre eigenen, mit Wappen bestickten Kopfkissen in anderen Hotels, die sie mitnimmt, um Wirbelsäulenproblemen vorzubeugen. „Für mich sind verschiedene gute Kopfkissen in einem fremden Bett einfach das Wichtigste! Leider gibt es die viel zu selten.“

So viel für heute aus deutschen Hotelbetten - wie es in anderen Ländern aussieht, darüber werden wir auf diesem Blog auch noch berichten. Laut Analyse der Welttourismusorganisation reisten im Jahr 2015 fast 1,2 Milliarden Menschen um die Welt. Stoff für unendlich viele Bettgeschichten zum Träumen – aber Ihnen erst einmal: gute Reise & schlafen Sie schön, wo immer ihr nächstes Hotelbett stehen mag!


Weitere Informationen über die Hotels:

    www.muehle-schlossberg.de
    www.kloster-hornbach.de
    www.graeflicher-park.de
    www.schmucke-witwe.de