Angela, wie soll ich nur mein Bett anziehen?


Wie die neue Home Collection des Hauses Schramm entstand

Von Stefanie von Wietersheim

Haben Sie ein schönes Bett – bestimmt, oder? Und haben Sie auch schöne Bettwäsche, in der Sie sich wohlig räkeln? Ja klar! Oder eher: Nicht so sicher? Noch nie darüber nachgedacht? Denn was schöne Bettwäsche eigentlich ist, darüber gehen die Meinungen auseinander wie über Boyfriend-Jeans, Smokey-Eye-Makeup und die Form von anständigen Smokinghemden. Der internationale Markt für Bettwäsche ist so bunt und vielfältig geworden, wie die Menschen, die sich in den Betten tummeln: Statt Laken und Bezügen aus weißem Leinen - europäischer Standard bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts - gibt es heute lässige Sportswear, funkige High-Street-Fashion und edle Couture im Bett. Lavendelfarbene Bezüge aus Jersey, gecrashte Stoffe mit Blümchen, bügelfreie Seersucker-Modelle, gar Inselpanoramen auf Polyester-Kopfkissen. Wilde Papageienmotive, dezente blau-weiße Streifen, starke Beeren-Blockfarben, champagnerfarbener Satin mit eingestickten Initialen – nichts ist unmöglich. Eine schöne Freiheit im Bett, neben anderen.

Wie unser Bett angezogen sein soll, das bestimmen nur wir selbst. Denn ein Bett kleidet man so ein wie den eigenen Körper. Und so wurde auch die Kreativdirektorin der Schramm Bettenmanufaktur, Angela Schramm, auf Messen in Paris, Mailand und Frankfurt immer wieder gefragt: „Wie würdest Du dieses Bett anziehen? Du hast doch einen so tollen Modestil! Du siehst so viele Trends auf der Welt, kennst die besten Stoffhersteller!“ Nach unzähligen modischen Bett-Beratungen beim späten Apéritif in einer Bar, auf Betten in der Messehalle sitzend oder in der Diskussion mit Designjournalisten kam die leidenschaftliche Stylistin auf die Idee, eine eigene Home Collection aufzubauen: Bettwäsche, Kissen, Plaids! Nur von kleinen Herstellern, die ihr Handwerk wirklich verstehen. Handtücher! Wer macht die besten? Köstliche Duftsteine und Wäschesprays! Ab nach Südfrankreich! Angela Schramm reiste durch Europa, besuchte kleine Webereien, sprach mit Schneidern, Stickern, Stoffhändlern, Parfümeuren.Und baute peu à peu ihre Antwort auf die Frage aus: Wie ziehe ich ein Bett schön an? Schließlich entstand eine immer größere Kollektion, die immer weitere geografische Kreise zog. Ein Mode-Abenteuer mit dem Ziel: das Bett und das Schlafzimmer anzuziehen. Ausgehend von der deutschen und italienischen Wäschetradition kam sie über Frankreich und Portugal bis in die Mongolei und nach Indien. Ihrer persönlichen Liebe zu edlen Stoffen entsprechend ließ sie feine Decken aus mongolischem Kaschmir weben, Überdecken und Zierkissen von indischen Kunsthandwerkern besticken. Zum Schluss kamen Bademäntel, Hausschuhe und Tee dazu.

Und die Farben? Definitiv keine Papageiengärten im Bett. Kein schnelles Blingbling. Keine Knalltöne. Erst einmal weiß. Matt oder schimmernd. Dann Creme. Natur. Grau. Sanftes Taubenblau. Leise. Klassisch. Etwas, das immer bleiben kann. So wie ein Kamelhaarmantel. Eine handgenähte schwarze Handtasche.

Bettwäsche mit Understatement-Eleganz, die bei guter Pflege ein Leben lang hält, hat in Europa, besonders in Deutschland, eine lange Tradition. Leinewebereien wie Strunkmann & Meister aus Bielefeld belieferten lange Zeit europäische Adelsfamilien und das reiche Bürgertum. Gute Wäsche war in der europäischen Kultur etwas wie ein kostbarer Damensekretär, eine sportliche Kutsche oder ein dreireihiges Perlenhalsband: etwas, das im stolzen Besitz der Frauen blieb und den Geschmack der Familie zeigte. Mädchen heirateten mit einer möglichst umfangreichen Ausstattung an Bett- und Tischwäsche, gezeichnet mit den Initialen ihres Geburtsnamens, meist zierlich mit rotem Faden eingestickt; manchmal findet man diese anmutigen alten Wäschestücke noch auf Antikmärkten. Ganz besonders schön kann man die hohe europäische Wäschekultur in einem vom Beginn des 20. Jahrhunderts stammenden alten Musterbuch sehen, dass das Schramm Kreativ-Team in einem Antiquariat fand: Leinenbezüge verziert mit feinen Hohlsäumen, Überschlagtücher mit handgearbeiteter Languette (zungenförmigen Ausbuchtungen), Tupfen- und Plattstichstickerei, Querfalten – nach fast hundert Jahren in fantastischem Zustand. In diese Tradition stellt sich heute auch die feine Bettwäsche aus Baumwoll-Satin und Baumwoll-Perkal mit verschiedenen Säumen und Stickereien, die für die Schramm Home Collection in einer Manufaktur in Norditalien gefertigt wird. Und in Zeiten, in denen junge Mädchen nicht mehr jahrelang an ihrer Aussteuer arbeiten müssen, sondern für ihre Universitätsdiplome lernen können, hat elegante Bettwäsche nun neben Eleganz, Stil und Luxus auch eine andere Konnotation bekommen: Reines sinnliches Vergnügen.

Die Schramm Home Collection ist seit Anfang Dezember im neuen Schramm Online Shop und bei Schramm-Händlern zu kaufen.