ALSENBRÜCK-LANGMEIL: Boxspringbetten sind seit mehr als 90 Jahren Kernstück der Firma Schramm – Federverarbeitung per Hand.

Erschienen in: Die Rheinpfalz, 05.09.2016, Lokal > Kirchheimbolanden


Boxspringbetten sind  in Mode. Das zeigt sich  beim Blick in Möbelkataloge und Werbeprospekte. Bei Betten Schramm in Alsenbrück-Langmeil sind diese Zwei-Matratzen-Systeme allerdings nicht neu, sie bilden seit mehr als 90 Jahren das Kernstück der Betten-Manufaktur, die mittlerweile in dritter Generation von Gründer-Enkel   Axel Schramm geführt wird.

Boxspringbetten  wirken einladend gemütlich mit ihren  mächtigen Matratzenauflagen, Erkennungsmerkmal auf den ersten Blick ist das imposante  Kopfteil, das es ebenso wie die Umrahmung in zahlreichen Farben und Materialien gibt. „Wir können da nahezu jeden Kundenwunsch erfüllen“, sagt Angela Schramm. Eine riesige Auswahl an Stoffen und Bezügen ist im Ausstellungsraum des Hauses zu sehen.  „Hier  schulen wir ausführlich und oft die Mitarbeiter der Möbelhäuser, die unsere Betten verkaufen“, sagt die Firmenchefin, ausschließlich Fachgeschäfte, die mit hohen Qualitätsprodukten arbeiten. Bei den Schramm’schen Betten geht es in erster Linie um die günstige Schlafposition und das Schlafklima.  Die obere Matratze passt sich den anatomischen Voraussetzungen des Schläfers an, die untere wirkt wie ein Stoßdämpfer. Für das gute Schlafklima sorgen die luftdurchlässigen Hohlräume, in denen die Luft zirkuliert. Sie geben die Feuchtigkeit ab, die der Mensch in der Nacht in sein Bett schwitzt.  

Einzigartig ist  die Verarbeitung der Federn in reiner Handarbeit. In unterschiedlichen Härtegraden werden sie von Näherinnen in kleine Säckchen genäht, die, aneinander getackert, zum „Herzstück“ der Schramm’schen Matratzen werden.  Versehen werden sie mit Latexauflagen und abgedeckt mit Materialien wie Seide, Kaschmir und Jute. Lösungsmittel kommen in dem Matratzenaufbau nicht zum Einsatz.  So wird sichergestellt, dass der Schläfer keinen Giftstoffen ausgesetzt ist.

Polsterer, Holzmechaniker und Näherinnen werden bei Schramm ausgebildet, dazu Menschen in kaufmännischen Berufen. „Wir müssen unsere Leute selbst ausbilden,  es wird bei uns viel Spezialwissen gebraucht“, erklärt Angela Schramm.  Schön sei, dass  bisher alle Azubis übernommen werden konnten. „Das geht natürlich  nur, weil  die wirtschaftliche Entwicklung das hergibt.“  Auch Schulpraktikanten seien im Betrieb immer willkommen.

Die Firma liefert in erster Linie ins europäische Ausland, nach Russland und neuerdings vermehrt in den asiatischen Raum. Die modischen Vorlieben in diesen Kulturkreisen unterscheiden sich kaum von denen deutscher Kunden. Solide, schlicht und zurückhaltend wertvoll, so charakterisiert Angela Schramm das, was Kunden unter  Luxus verstehen. Die Zeiten von Pomp und Glitzer seien hier vorbei. Gedeckte Farben seien gefragt.

Ab etwa  2000 Euro sind die einfacheren Matratzen zu haben. Die „Grand Cru“, die Luxusvariante und das Flaggschiff des Unternehmens mit dem Dreimatratzen-Aufbau, kann als Doppelbett je nach Ausstattung gut und gerne  20.000 Euro kosten – allerdings auch nur, wenn auf die motorisierte Variante verzichtet wird. Sonst wird es mehr. Dass das „zu teuer“ sei für eine Matratze entkräftet Angela Schramm mit einem Rechenbeispiel. Alle 6,5 Jahre kauft der Deutsche im Schnitt ein neues Auto  „und da wird an Luxus und Sonderausstattung meist nicht gespart“. Dagegen kaufe er sich nur alle 13,5 Jahre eine neue Matratze –  im Bett verbringe man im Schnitt sieben Stunden pro Tag, im Auto dagegen nur eine.

Neben Privatkunden, die in erster Linie über Bettenfachgeschäfte bestellen und dabei detailgenau ihre Wünsche angeben können,  liefert Betten Schramm auch an Hotels. „Die Menschen sind anspruchsvoller geworden, was ihren Schlaf anbelangt, und das haben manche Hotels aufgenommen“, sagt die Firmenchefin. Auch hier sei das Argument, dass die Matratzen für den Hotelbetrieb zu teuer sei, leicht zu entkräften. „Die Lotions und Cremes, die viele Hotels für ihre Kunden gratis bereitstellen, kosten mindestens zwei Euro das Stück“, rechnet sie vor. Über die Jahre betrachtet komme da eine stattliche Summe zusammen. Doch es sei den Hotelgästen sicher  wichtiger, gut zu schlafen, als  sich kostenlos zu waschen.

Die Liebe zu ihrem Unternehmen hat das Ehepaar offensichtlich auch den Kindern weitergegeben. Philipp, Marisa, Paula und Michel – zwischen 20 und 25 Jahre alt – sind in den Werkstätten quasi  groß geworden,  kennen jeden Bereich des Unternehmens und haben überall schon mitgearbeitet. Sie alle sind derzeit noch in Ausbildung und Studium.  2023, wenn das Familienunternehmen sein 100-jähriges Bestehen feiert,  sollen sie ihre Eltern in der Unternehmensleitung  ablösen –  und das Familienunternehmen in vierter Generation weiterführen.

 

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