Gesund in den neuen Tag

Von Stefanie von Wietersheim


Dreifaches Spiegelei mit Parmaschinken oder Chia-Müsli im Designerglas? Grüner Tee oder Vanilla Latte mit extra Crunch? Was haben Sie heute gefrühstückt? Und wo? Am schön gedeckten Frühstückstisch mit Eierbechern, die zu den Servietten passen? Oder nur einen Coffee-to-go im Auto? 

Ob wir morgens Udon-Nudeln in Algensuppe, Schafskäse mit Oliven, Schokoladencroissants oder Wurstbrötchen essen, ist stark kulturell geprägt: Wer einmal in einem Luxushotel die weltumspannende Palette von Full English breakfast, Croissants, Tofu-Suppen, Fisch in Bananenblättern und amerikanischen Pancakes nebeneinander gesehen hat, weiß, wie unterschiedlich die Kontinente frühstücken. Dazu gibt es Ernährungskonzepte wie die „Fit-for-Life“-Trennkost, die bis Mittag nur frisches Obst erlauben, andere hingegen setzen mit „High Protein Porridge“ gleich morgens um 7 Uhr auf viel Eiweiß. Wie sollen wir aber nun wirklich am besten nach der nächtlichen Bettruhe den Tag beginnen?

 Frühstücken wie ein Kaiser

Die renommierte deutsche Ernährungsexpertin und Kochbuchautorin Dagmar von Cramm sagt: „Das alte Sprichwort vom „Frühstücken wie ein Kaiser“ ist mit Vorsicht zu genießen, denn es stammt aus Zeiten des Mangels – und wir leben in Zeiten des Überflusses! Es gibt Studien, die belegen, dass die meisten Menschen, wenn sie morgens viel essen, im Laufe des Tages dann nicht weniger zu sich nehmen, sondern sie hauen auch bei den nächsten Mahlzeiten richtig rein. Das ist keine gute Idee bei hoch kalorischen Nahrungsmitteln und einem Überangebot auf den Tischen. Ein Kaiserfrühstück sollte heute so aussehen, dass man besonders hochwertig und luxuriös isst.“ Cramm rät vom täglichen deutschen Frühstück mit Weißmehlbrötchen und Industriemarmelade ab, sondern empfiehlt warmen Getreidebrei wie Porridge oder am Vorabend eingeweichtes Birchermüsli mit Getreideflocken, Nüssen und Obst, das gerade als overnight oats stark im Trend liegt. Auch Smoothies, möglichst mit mehr Gemüse als Obst, sind ein guter Start in den Tag. „Selbstgemachte Smoothies sind ideal, aber Industrieware aus dem Kühlregal, die nach dem High-Pressure-Verfahren hergestellt und nicht pasteurisiert sind, gehen auch. Hauptsache nicht zu viel Obstanteil, lieber Gemüse“, rät sie.Ob gesunde Gemüsedrinks oder fettige Hörnchen: Fast jeder zehnte Deutsche lässt das Frühstück ganz weg, das ergab eine You-Gov-Studie aus dem Jahr 2015. Die Hälfte der Deutschen liebt demnach den guten alten Kaffee zum Start in den Tag, ein Drittel der Befragten stellt Brot, Brötchen, Käse, Wurst und Marmelade auf den Tisch. Doch zwischen den Generationen gibt es große Unterschiede: Bei der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen sind Müsli und Tee viel beliebter als bei den Älteren, andere Fitnessideale und die Detoxwelle prägen eben auch das Frühstück.

Maßgeschneidertes Frühstück

Ernährungsfachfrau Dagmar von Cramm unterstützt diesen Trend: „Gleich nach dem Aufstehen können wir wunderbar Punkte für die Gesundheit sammeln, denn oft ernähren wir uns im Berufsalltag mit dem, was gerade kommt und essen am Abend unbedacht als Gemütlichkeitsritual und zur Entspannung. Dabei  greifen wir mehr zu als gut ist, gerade beim typisch deutschen Abendessen, bei dem Brot und Aufschnitt lange auf dem Tisch stehen.“ Sie empfiehlt, das Frühstück bewusst auf den bevorstehenden Tag zuzuschneiden: „Wenn Sie lange durchhalten müssen, geben Sie mehr Nüsse, Saaten und Kerne an das Müsli. Das kann zum Beispiel eine Basis aus Hafer, Amaranth und Quinoa-Pops haben. Wenn man schnell wach werden will, erhöht man den Obstanteil im Müsli, der wird schneller verdaut und man fühlt sich fit. Am Wochenende ist dann ein Brunch, bei dem Frühstück und Mittagessen ineinander übergehen, ein entspannter Genuss. Dabei sind Vollkornbötchen und auch gerne Vollkorntoast eine gute Wahl.“ Tees sieht sie wie Kaffee als grundsätzlich gesundheitsfördernde Pflanzenaufgüsse, die eine Vielzahl antioxidantischer Inhaltsstoffe lösen. „Honig im Tee ist in Maßen ok, aber Zucker sollte man sich lieber abgewöhnen“, rät sie. „Milch im Café gibt gerade bei Menschen, die morgens nicht gerne essen, ein gewisses Sättigungsgefühl und kann magenschonend wirken.“

 Auszeit für die Seele

Die einen lieben es, die anderen hassen es: Ein Frühstück im Bett. Für die Liebhaber dieses Morgenrituals hat es immer den Hauch des Luxus und der Selbst-Verwöhnung und lässt an alte britische Traditionen oder Luxushotels denken. Auf schön gestylten Fotos sieht ein modernes Kaiserfrühstück tatsächlich wunderbar aus, doch in der Praxis hat man häufig mit umfallenden Orangensaftgläsern, fliegenden Eiern und Gurkenscheiben auf dem Kissen zu kämpfen. Die Lösung: spezielle Bett-Tabletts mit ausklappbaren, massiven Füßen und ausreichend Platz für Tasse, Teller und Zeitung. Und für alle Fälle: übergroße weiße Leinenservietten - zu finden in Antiquitätengeschäften -, die man als Krümelschutz auf die Decke legt. Haben Sie einen schönen Tag!

 

 

Mehr über Dagmar von Cramm finden Sie unter :      www.dagmarvoncramm.de

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