Der Bettenmacher am Donnersberg

Schramm- Werkstätten in Winnweiler setzen schon lange auf das Zwei-Matratzen-System-Chancen und Risiko des Boxspring-Trends.

Winnweiler.  Jahrzehntelang richtete sich die Nordpfälzer Manufaktur Betten-Schramm in der Hochqualitäts-Nische Kastenmatratze ein. Doch dann wurde sie vom Boxspring-Trend erwischt. Bisher gelingt es den Schramm-Werkstätten auf der Welle zu reiten.

Manufaktur-Chef Axel Schramm hat einen Traum zum Geschäftsmodell gemacht: Dem Ideal zum Schlafen wie auf einer Wolke soll man in seinen Betten möglichst nahekommen können. Wie sein Vater und sein Großvater sei er davon überzeugt, dass das mit der Bettentechnik des Zwei-Matratzen-Systems - auch Kastenmatratze genannt - besser gelingt als mit der in Deutschland immer noch dominierenden Technik Lattenrost mit Schaummatratzen, sagt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Am altbewährten Zwei-Matratzen-Bett haben die 1923 vom Großvater gegründeten Schramm-Werkstätten auch festgehalten, als der Trend nach dem Ende des zweiten Weltkriegs völlig in die andere Richtung lief.

Betten-Schramm ging in die Kastenmatratze-Nische und setzt auf höchste Qualität durch Handarbeit. Das Flaggschiff ist das Drei-Matratzen-System ,,Grand Cru‘‘: ein handgefertigtes Unterbett, darin handgezogene Taillenfedern, handgegurtet und geschnürt, die Zwischenmatratze ,,Silhouette‘‘ unter der Obermatratze ,,Grand Cru N 1‘‘. Diese ist ausgestattet mit ofenthermisch vergüteten - das heißt durch Erhitzen gehärteten - Zwölfgang-Federn. Die sind einzeln von Hand in Baumwolltaschen eingenäht. Die Schurwolle stammt von französischen Freilandschafen. Dazu gibt es Seide und Leinen mit zusätzlicher Abdeckung in Kaschmir: das alles für 17.500 bis 50.000 Euro in der Doppelbett-Ausführung.

Als es am ursprünglichen Standort in Alsenborn zu eng wurde, zog Schramm um in den Industriepark Langmeil der Donnersberg-Verbandsgemeinde Winnweiler. Da hatte das Unternehmen 65 Mitarbeiter. 2012 wurden die räumliche Produktionskapazität mit einer Investition mit 8 Millionen Euro fast verdoppelt – gerade rechtzeitig zu Beginn des Boxspring-Booms. Heute arbeiten 200 Beschäftigte bei Schramm. Der Firmenchef, der seit 2014 auch Präsident des Verbands der Deutschen Möbelindustrie ist, freut sich einerseits über den ,,Boxspring-Hype‘‘, wie er sagt. Doch andererseits sieht er auch die Gefahr, dass Trittbrettfahrer mit schlechten Billigprodukten dem Image des traditionellen Zwei-Matratzen-System schaden können. Deshalb segelt er nicht unter der Flagge Boxspring, sondern spricht von Zwei-Matratzen-System, Kastenmatratze und klassischer Polstertechnik.

Ein Schramm-Doppelbett kostet zwischen 4800 und - ausgestattet mit einer motorischen verstellbaren Untermatratze - 50.000 Euro. Das ,,Grand Cru‘‘ gibt es ab 18.000 Euro. Im Durschnitt geben Schramm-Kunden 8.000 bis 10.000 Euro für ihr Bett aus. Unter- und Obermatratze gibt es zusammen in Preisklassen von 1750 bis 3600. Verkauf ab Werk gibt es nicht. Der Vertrieb läuft über Möbelhändler.

Im laufenden Jahr will Schramm beim Umsatz erstmals die Marke von 30 (2015: gut 29) Millionen Euro übertreffen. Geplant ist der Verkauf von 11.500 (10.800) Matratzen und 4400 (4300) kompletten Betten. Die Ertragslage bezeichnet er als gut. Die Exportquote liegt bei knapp einem Drittel des Umsatzes.

Axel Schramm leitet die Bettenmanufaktur seit 1998. Während seines BWL-Studiums in Mannheim hat er Praktika als Polsterer, Schreiner und Näher gemacht. Kürzlich ist er 60 geworden. Mit 65 will er einen Teil der Verantwortung an die nächsten Generationen abgeben. Seine vier ,,Kinder‘‘ im Alter von 19 bis 25 Jahren hätten Interesse. Im Jahr 2023, wenn die Schramm-Werkstätten 100 Jahre alt werden, will sich der Chef dann ganz zurückziehen.

Der Verband, den Schramm führt vertritt die Interessen einer Branche mit 84.000 Mitarbeitern, 17,4 Milliarden Euro Jahresumsatz und 499 Unternehmen ab 50 Beschäftigten. Als wichtigste Ziele der Branche sieht Schramm die internationale Designführerschaft und das Umsetzen der Digitalisierung.