Wo ich am liebsten schlafe.

Von Dr. Stephan Demmrich, Chefredakteur Wohn!Design

Die Fotos entstanden gestern auf die Schnelle in meinem Schlafzimmer. Den Sekretär haben mir meine Eltern zum Abitur geschenkt. Die Grafik an der Wand trägt den Titel „Raumbild II“ und ist eine Arbeit von Werner Höll aus dem Jahr 1969. Ich habe sie vor vielen Jahren auf einer Auktion hier in Stuttgart ersteigert. Die Wandfarbe habe ich zusammen mit einem Künstlerfreund ausgewählt: „French Grey“ von Farrow & Ball – eigentlich kein Grau, sondern eher ein Schlammgrün. Es passt perfekt zur Entstehungszeit unseres Wohnhauses gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Den Bücherstapel neben mir, meist Kunst- und Architekturtitel, setzt eine Wandleuchte von Bestlite ins richtige Licht.


Ehrlich gesagt liege ich nie mit Klamotten auf dem Bett, das mag ich genauso wenig wie Frühstücken im Bett. Doch worauf ich mich jeden Tag aufs Neue freue, ist der Moment, an dem ich mich unter meiner Decke „verkrümele“ und innerhalb weniger Minuten in den Tiefschlaf falle. Im Normalfall passiert das nach Mitternacht, in Ausnahme-Situationen wie bei Heftschluss auch erst gegen zwei Uhr. Mein Schramm-Bett ist meine persönliche Ruheinsel und begleitet mich schon über ein Jahrzehnt. Davor habe ich in einem Aluminiumbett geschlafen auf einer orthopädischen Matratze mit der Dicke einer leichten Turnmatte aus Schulzeiten. Rückblickend recht sportlich. Morgens mit warmen Füßen kaltes Metall zu berühren, ist eine meiner Erinnerungen aus dieser Zeit genauso wie das harte Alurohr, das beim Lesen irgendwie immer im Weg war. Heute fällt mir das Aufstehen wesentlich schwerer, und ich kämpfe mit dem Radiowecker um jede Minute. Das liegt ganz klar am Liegekomfort, möglicherweise aber auch am Alter. Es hat allerdings etwas länger gedauert, mich für ein Boxspring-Bett zu erwärmen:
Den Kontakt zu Angela und Axel Schramm machte meine damalige Wohn!Design-Kollegin Helene Schwab, die mich auf der Kölner Möbelmesse mit den Worten zur Seite zog: „Ich muss Dir eine ganz tolle Firma zeigen. Die Besitzer sind echte Feingeister. Du wirst begeistert sein.“ Sie hatte Recht, wie sich bei einer Runde Leberwurstschnittchen und Pfälzer Wein zeigte. Mir gefiel und gefällt die Bodenständigkeit des Paares, seine Herzlichkeit und Aufmerksamkeit, doch genauso sein Umgang mit den Mitarbeitern. Für mich ist das Thema Unternehmenskultur ein ganz wichtiges Kriterium für die Beurteilung einer Marke. Objekte, die in einem positiven Umfeld entstehen, haben „Good Vibrations“. Umso wichtiger, wenn es sich um Dinge handelt, die uns lange begleiten sollen. Davon bin ich als Designjournalist und „alter Hase“ inzwischen überzeugt.
Der Rundgang über den Messestand war damals echtes Neuland für mich. Natürlich kannte ich den Begriff „Taschenfederkernmatratze“, aber spätestens beim Thema Ofenvergütung von Metallfedern war ich raus. Inzwischen weiß ich, dass die thermische Behandlung einen Einfluss auf ihre spätere Elastizität hat. Natürlich ließ sich der Komfort des Zwei-Matratzen-Systems nicht bei einem kurzen Probeliegen im Messetrubel beurteilen.
Die Wirkung eines perfekt auf eine Person abgestimmten Boxspringbetts wurde mir erst ein paar Monate später bewusst, als sich eine Fotografin von uns bei einem Shooting in ein Schrammbett verliebte. Damals litt sie unter extremen Rückenbeschwerden und wechselte drei bis viermal in der Nacht ihre Schlafstelle: Ihr wiederkehrender Exkurs führte sie aus dem Ehebett auf ein Sofa im Wohnbereich von dort zu einem Sessel und zurück. Einige Tage nach der Lieferung ihres neuen Betts trafen wir sie zu einem Abendessen und waren erschreckt über ihre „unerträgliche“ Power: „Ich kann Bäume ausreißen“, rief sie laut, zwickte die Gäste und sprang um den Tisch herum. Sie lachte und war dabei ausgelassen wie ein Teenager. Keine Rückenprobleme mehr und munter wie ein Fisch im Wasser. Wenn die richtige Matratze zu einer so derartigen Verjüngung und Energieausschüttung führen konnte, dann wollte ich auch ein Boxspring-Bett haben!
Den tatsächlichen Ausschlag für mich gab die Besichtigung der Schramm-Manufaktur in Winnweiler. Die rein handwerkliche Produktion, das Engagement der einzelnen Mitarbeiter und das ganze Drumherum haben mich echt beeindruckt. Insbesondere die Sauberkeit in den Hallen, von der einige Mitbewerber nur träumen können. Da lag kein Fusel auf dem weißen Boden. Und alles „Made in Germany“. Mit vielen Eindrücken und einem Stapel von Katalogen und Presseunterlagen zurück in Stuttgart fand ich das passende Bett: „Origins Basis“ in Kombination mit dem Betthaupt „Lago“. Das Modell gefällt mir immer noch am besten, weil es eine hohe Bodenfreiheit hat und durch seine Proportionen und die grazilen Holzfüße elegant wirkt. Lederbezüge gab es damals bei den Schramm Werkstätten noch nicht, und so brachte ich drei Bio-Kuhhäute von einer süddeutschen Gerberei mit. Sonderanfertigungen kommen bei Schramm immer wieder vor – ein Qualitätskriterium. Heute ist Leder fester Teil der Kollektion. Das Material bietet den Vorteil, dass es in Würde altert. Einmal im halben Jahr trage ich eine gute Pflege auf – das war’s.


Natürlich gibt es viele Unternehmen, die Boxspring-Betten produzieren. Aber kaum eines fertigt so formschöne und raffinierte Modelle. Mit den eher klobigen Exemplaren, wie man sie aus Nobelhotels kennt, haben Schramm-Betten nichts gemein. Über die Jahre hat die Manufaktur mit Unterstützung guter Designer, aktuell mit Sebastian Herkner, ihre Modellpalette kontinuierlich erweitert und modifiziert. Dazu kam eine erlesene Bettwäsche-Kollektion und kürzlich eine erste Home Collection. Wohnlicher kann Schlafen nicht aussehen.
Unser Magazin Wohn!Design begleitet die Entwicklung der Schramm Werkstätten seit mehr als 15 Jahren. Es macht große Freude, die stilsicheren Looks von Angela Schramm anzuschauen oder den neuesten technischen Clou ihres Ehemanns Axel zu begutachten. Frau Schramm hat einen exquisiten Geschmack und ein sicheres Auge, wenn es um Arrangements, Bettenformen und die Auswahl der passenden Wäsche geht. Das inspiriert auch mich als Redakteur. Herr Schramm ist in Sachen Technik und Matratzen ein wandelndes Lexikon, der genauso über andere Bettsysteme abgrundtiefe Kenntnisse besitzt. Aus diesem Grund genießt die Marke Schramm Werkstätten bei uns als Magazin, doch genauso im Fachhandel einen ausgezeichneten Ruf.
In den vielen Jahren ist aus gegenseitiger Wertschätzung eine Freundschaft gewachsen, die auf Vertrauen und Offenheit basiert. Dazu gehört auch, nach der geschätzten Meinung seines Gegenübers zu fragen – sei es zu einem neuen Modell oder zur aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift. Darauf bin ich stolz. In der Einrichtungsbranche ist das keinesfalls selbstverständlich. Übrigens liege ich hier nicht auf Schramm-Bettwäsche. Die petrolfarbenen Kissen sind von Luiz (auch „Made in Germany“), die Streifenbezüge habe ich bei Urbanara, einem Internet-Shop, entdeckt und das Kissen mit dem Ungeheuer kreierte Timorous Beasties aus Glasgow.