„Kühlen Sie sich vor dem Schlafen runter wie ein Rennauto“

 Interview mit dem Kölner Schlafmediziner Dr. Michael Feld

Von Stefanie von Wietersheim

 

Er ist Experte für etwas, das wir alle brauchen, um zu leben. Und das uns verzweifeln lässt, wenn wir es nicht haben: guten Schlaf. Der Kölner Facharzt Dr. Michael Feld beschäftigt sich als Schlafmediziner und Publizist leidenschaftlich mit Schlafstörungen und coacht seine Patienten hin zu guten Nächten. Der 1970 geborene Somnologe hat die Gabe, die nächtlichen Geheimnisse von Seele und Körper Laien anschaulich zu erklären - nun auch auf Youtube. Wir haben ihn gefragt, wie man gut ein- und lange durchschläft.




 Der Schlaf ist der beste Freund des Menschen. Was müssen wir in Zeiten von Medienberieselung und Arbeitsverdichtung tun, damit er auch unser Freund bleibt?

 „Abends abschalten und runterkommen fällt vielen Menschen zunehmend schwerer, da immer mehr Informationen, Aufgaben und Anforderungen auf das arme Gehirn einprasseln, das dann nicht einfach mal so eben den Schalter auf Schlaf stellen kann. Zwischen der letzten richtigen körperlichen oder psychischen Anstrengung und dem Lichtlöschen sollte mindestens eine Stunde "Runterkommphase" eingebaut werden. So kann sich der Organismus von Hochdrehzahl auf den Schlafzustand vorbereiten. Einen Sportwagenmotor darf man auch nicht nach zehn Stunden Rennstrecke einfach ausschalten, sondern muss ihn noch eine ganze Weile mit niedriger Drehzahl fahren, damit sich alle Maschinenteile, Motor, Getriebe, Reifen, Bremsen runterkühlen können. Sonst geht der Wagen kaputt. Genauso der Mensch.“

 

Was kann man außer diesem bewussten Runterkommen mindestens eine Stunde vor dem Einschlafen sonst tun?

„Der Tag hat einen großen Einfluss auf die Nacht. 80% der Berufstätigen sitzen heute den ganzen Tag vor PCs rum! Durch das ständige Sitzen versackt bis zum Abend rund ein Liter Flüssigkeit in den Beinen, die dann beim Hinlegen in die Horizontale Herz und Lunge belasteten und auch die Halsweichteile anschwellen lassen. Damit können Schnarchen und Schlafapnoe begünstigt werden. Bewegung   - und eine gesunde Ernährung am Tag -  hat deshalb einen wichtigen Einfluss auf den Schlaf.“

 

Nachts durchlebt der Mensch ja verschiedene Schlafphasen: leichten Schlaf, Tiefschlaf und Traumphase/REM. Warum ist der Tiefschlaf so wichtig? Für viele Nicht-Mediziner ist das ja eine mysteriöse Sache. 

 „Im Tiefschlaf ist unser Gehirn am stärksten "offline" geschaltet, um die Unmengen an Bits und Bytes, die den ganzen Tag über die Sinnesorgane eingeprasselt sind, von sich fern zu halten. Im Tiefschlaf wird vor allem der biologische Teil unseres Organismus regeneriert (Immunsystem, Haut, Muskeln, Knochen), während der psychische Teil eher im REM-(Traumschlaf) regeneriert wird. Ein gesunder Schlaf sollte 20-25% Tiefschlafanteil haben, 20-25% REM-Anteil und 50-60% Leichtschlaf. Man kann das heute mit kontaktlosen Sensoren zu Hause im eigenen Bett messen. Der Sensor wird einfach unter die Matratze geschoben und misst relativ zuverlässig Schlafstunden, Tiefschlafanteil und REM-Schlaf-Anteil.“

 

Sie beschreiben in Ihren Arbeiten die zunehmenden Schlafstörungen durch ständiges Bombardement durch Medien und Handys – und die sinkende Regenerationszeit für den Menschen. Holt sich der Körper den Tiefschlaf dennoch irgendwie?

 „Auch wenn wir weniger als acht Stunden schlafen, versucht der Körper, vor allem den Tiefschlaf zu bekommen. Allerdings braucht es trotzdem für die meisten Menschen so um die sieben Stunden Schlaf, um sich am nächsten Tag erholt zu fühlen und um langfristig gesund zu bleiben. Wir liegen in Deutschland mittlerweile nur noch bei durchschnittlich sechs Stunden und 54 Minuten pro Nacht, die Schlafdauer wird über die Jahre immer kürzer. Das wird sich rächen, weil chronischer Schlafmangel irgendwann zu Krankheiten führt.“

 

Was können wir tun, um dafür zu sorgen, dass wir auch wirklich in den Tiefschlaf kommen und lange genug in ihm versinken?

 „Erstens: Viel Bewegung, Licht, Luft und gesunde Ernährung. Zweitens: Ein Abendritual einführen, um runterzukommen und eine Stunde vor Heia die Maschine runterfahren. Zusätzlich den Kopf aktiv kühlen, wir haben jetzt eine sogenannte „Cooling Cap“ entwickelt, eine schicke Kühlhaube, die man sich zum Schlafen einfach auf den Kopf setzt, und mit der man leichter einschlafen kann. Das Produkt kommt in ein paar Wochen auf den Markt.“

 

Wie ist das bei Ihnen persönlich als Experte für Schlafmedizin? Fällt es Ihnen schwer, einzuschlafen und durchzuschlafen?

 „Man muss die Sünde kennen, um sie zu bekämpfen, deshalb kenne ich Schlafstörungen auch aus eigener Erfahrung. Ich versuche dann, mich nicht verrückt zu machen, immer gelingt mir das aber auch nicht. Ich nehme dann schon einmal natürliche Kombinationspräparate ein wie zum Beispiel Ortho Luna.“

 

Gerade Frauen schlafen durch den erhöhten Arbeitsdruck schlechter als früher, so haben Sie festgestellt. Was können sie dagegen tun, welche Verhaltensweisen erlernen?

 „Frauenschlaf ist genetisch leichter störbar, als der von Männern, weil Frauen nachts die Kinder hören sollen, falls mit denen was ist. Von daher sollten gerade Frauen ihren Schlaf gut pflegen, für eine schöne Atmosphäre im Schlafzimmer sorgen, eventuell den schnarchenden Bettpartner zum Arzt schicken und ihren Schlaf wichtig nehmen.“

 

Lieber Herr Dr. Feld, wir danken für das Gespräch.

 

Weitere Informationen von Dr. Michael Feld zu gutem Schlaf und Schlaftherapie finden Sie unter
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