Gib mir Farbe!

 

Schlafen in Avocado, Träumen in Puderrosa: Tricks und Trends für Wände im Schlafzimmer


 

 

Welche Farbe haben die Wände Ihres Schlafzimmers? Bananenblätter-Grün, Lapis-Blau oder Mandarinen-Orange? Wahrscheinlich nicht, oder? Denn auch mutige Menschen werden nervös, wenn es um die Farbgestaltung ihres intimsten Raumes geht. Und schlafen umgeben von weißen, eleganten grauen oder gelben Wänden, die an Morgenschimmer erinnern. Eigentlich schade in Zeiten, in denen immer mehr Europäer Farbe im Haus wagen und zumindest bei Sofas, Kissen und Fluren Trendfarben wie Waldgrün, Puderrosa oder Petrol ausprobieren.

 Warum sind die Deutschen - die für ihre Hauseinrichtung so viel Geld ausgeben wie keine andere Nation Europas - bei Schlafzimmerwänden oft so schüchtern, wenn es um Farbauswahl geht? Ja, Farben können therapeutisch auf die Seele wirken, und wie bei Medizin braucht jeder Mensch eine andere Komposition und Dosis. Und nicht immer ist das klinische Weiß die beste Wahl, denn nach Krankenhaus aussehen soll ein Schlafzimmer beim besten Willen nicht.

 Grün ist für Farbeinsteiger ein echter Geheimtipp, aber es muss das richtige Grün sein, das Rot neutralisiert. „In einem Raum, in dem man selber und andere die Hautfarbe des Körpers sehen, schmeichelt Grün der Haut“, sagt die Berliner Künstlerin, Dozentin und Farbexpertin Maria Kleinschmidt, die ihr Schlafzimmer selbst in Grün gestrichen hat. „Ein Grün an der Wand hebt das Rötliche der eigenen Haut  hervor, bringt es ein wenig mehr zum Leuchten. Die Haut sieht frischer und lebendiger aus. Das liegt daran, dass Rot und Grün komplementär zueinander sind. Deshalb posieren Aktmodelle in Zeichenkursen auch oft vor grünen Stoffen“, erklärt sie. Umgekehrt bedeutet es, dass helle Hautfarbe vor Gelb- und Orangetönen eher fahl aussieht, da das Gelb oder Orange einer Wand meist viel satter ist und helle Haut im Vergleich blass wirkt. Bei dunkler Haut ist es wieder anders.

 

Hier ein Beispiel: Der Hautton im Inneren der Quadrate ist exakt derselbe. Sehen Sie den Unterschied?






Doch Grün ist nicht Grün. Maria Kleinschmidt rät bei der Wahl der Wandfarbe eher zu einem unaufdringlichen Graugrün, nicht zu quietschigem Apfelgrün. Ein zu sattes Grün hat ihrer Erfahrung nach wieder das Problem, dass alles andere daneben verblasst. „Man muss die Farben wirklich vor Ort testen, auch mit der geplanten Beleuchtung im Schlafraum. Licht verändert die Farben: Tageslicht und Kunstlicht haben meist andere Wellenlängen, es sei denn, man hat eine Tageslichtlampe. Dieselbe Farbe sieht bei Tageslicht anders aus als bei meist gelbem Kunstlicht.“

 Graugrün, Graublau und Petrol hält die Künstlerin als Schlafzimmerfarbe ebenfalls für ideal. „Auch sehr dunkle Farben finde ich nicht schlecht, da sie ein Höhlengefühl beim Schlafzimmer geben, aber das gefällt nicht jedem.“ 

 Die Marketingchefin der deutschen Farbmanufaktur Caparol Icons, Annika Murjahn, rät bei der Wandgestaltung von Schlafräumen ebenfalls

spontan zu Grün: „Grüntöne entspannen, nicht zuletzt weil Grün die Farbe ist, die für die Augen am einfachsten zu reproduzieren ist, es ist eine unanstrengende Farbe für den Körper.“ So schafft ein Mittelgrün wie der Carparol-Ton „Queen Green“ eine ruhige Stimmung, ein frisches Lindgrün wie „Tilia“ lädt morgens die Energien auf. Die Farbexpertin, die international mit den bekanntesten Interior Designern arbeitet, sieht zunehmend auch pastellige, vergraute Rosétöne als Wandfarben in Schlafzimmern. „Diese leichte Boudoiratmosphäre kann großartig aussehen, ist aber gerade bei Herren manchmal etwas gewöhnungsbedürftig“, meint sie. „Aber es ist sicher so: je mehr man diese Farbe sieht, umso normaler wird sie, und die Hemmschwelle sinkt. So ist es ja auch bei Schwarz, bei dem man vor einigen Jahren dachte: „nie im Leben!“ und das heute als Wandfarbe sehr viel eingesetzt wird.“

Für Annika Murjahn ist Farbe ein relativ günstiges und einfaches Mittel, um ein Schlafzimmer rasch zu verändern: „Im Vergleich zu Holzeinbauten oder teuren Tapeten ist eine Wand schnell gestrichen und wenn es einem wirklich gar nicht gefällt, nimmt man eben eine andere Farbe und muss nicht eine ganze Wand abreißen.“­ Am besten probiert man vorher zwei, drei Farben auf einem großen Stück Pappe aus und lebt dann einige Tage damit, sieht sie sich vom Bett aus zu verschiedenen Tageszeiten an. „Dann weiß man schon, mit welchem Ton man glücklich wird!“, sagt Murjahn. Wer einmal im Schlafzimmer mit Farbe gelebt hat, geht ihrer Erfahrung nach kaum wieder zurück zu neutralem Weiß, sondern probiert weiter auf der Farbskala. „Menschen gehen in Farbbiographien immer weiter. Man traut sich mit der Zeit immer mehr zu, sieht den irre guten Effekt im Schlafzimmer vielleicht auch von einem dunklen Blau, das an Himmelszelt und Galaxien erinnert.“ Als Entscheidungshilfe rät Annika Murjahn zu einer einfachen Übung: „Schließen Sie in Ihrem Schlafzimmer die Augen und konzentrieren Sie sich darauf, wie sich der Raum anfühlt. Wie soll er sich anfühlen? Höhlig-schummerig? Hell und frisch? Offen oder beschützend? Gibt es eine Farbe, die sie intuitiv hier haben möchten?“ Danach: Augen auf und überlegen sie, welcher Ton genau zu den vorhandenen Möbeln passt. Es gibt so viel mehr als Weiß!

 

www.caparol-icons.de

www.mariakleinschmidt.de